EUROPA FLIEHT NACH EUROPA

Ein dramatisches Gedicht in mehreren Tableaus. (Erweiterte Fassung)

Auf mehreren Zeit-und Bedeutungsebenen zugleich spielender lyrischer Text rund um Leitmotive europäischer Geschichte, mit einem Figureninventar aus Europa und dem Stier, der in der Panade verendet, Priestern, einem Conquistador, kleinen Königen, die sich gegenseitig mit Plastikschwertern aufspießen, einem Regenbogen, den Schwestern der Zeit, Wissenschaftlern, dem Leben selbst, den Kindern der Zukunft usw usf, in der erweiterten Fassung außerdem Europas Zwillingsschwestern sowie ein Epilog zum aktuellen Krieg. Leseproben ⇓


VOLKSTHEATER MÜNCHEN, Regie: ANNA MARBOE (Premiere 25. MAI 2023)


BURGTHEATER WIEN Kasino, Regie: FRANZ-XAVER MAYR (UA 22.06.2018 am Deutschen Theater Berlin Autorentheatertage)


STAATSTHEATER KARLSRUHE, Regie: ALIA LUQUE (DEA 07.10.2018)


THEATER DORTMUND – EUROPA verschwindet, Eine audiovisuelle Installation nach dem Stück, Regie: ISABELLA SEDLAK (P 02.10.2021) 


Szenische Lesung Plattform-Festival am Ernst-Deutsch-Theater


Szenische Lesung Goethe Institut Tokio 2018


Szenische Lesung Austrian Cultural Forum New York 2019



INSZENIERUNGEN

Volkstheater München

(Premiere am Regie Anna Marboe, MIT: Ruth Bohsung, Julian Gutmann, Maral Keshavarz, Jonathan Müller, Vincent Sauer, Bühne & Kostüme Sophia Profanter, Helene Payrhuber. Dramaturgie: Rose Reiter.

„Die Darstellenden rocken hier den Abend, jeder hat seinen Part, nur zusammen stimmt der Gesamtklang.“ – Süddeutsche Zeitung

„Zwischen Dadaistik, Slapstick und philosophisch-christlich grundierten Reflexionen bewegt sich dieser intelligent komponierte Abend.“ – Münchner Merkur


UA Deutsches Theater Berlin / Burgtheater Kasino

(UA + ÖEA Premiere: 22.06.2018 via Autorentheatertage) Regie: Franz-Xaver Mayr, MIT: Sven Dolinski, Alina Fritsch, Dorothee Hartinger, Marta Kizyma, Valentin Postlmayr, Marie-Luise Stockinger. Bühne: Michaela Flück, Kostüme: Korbinian Schmidt, Musik: Levent Pinarci, Licht: Norbert Gottwald, Dramaturgie: Florian Hirsch. 

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Miroslava Svolikova ist „eine hoch reflektierte Autorin“ deren mehrbödige Erzählweise über die Dame Europa, die ihren Lebenssinn sucht, einen sehr eigenen Kunstton anschlägt. (Berliner Zeitung)

Der „Karneval der Wirklichkeit“ entpuppt sich als pointierte Auseinandersetzung mit unseren Gegenwartsproblemen und Zukunftsängsten mit den frechen bunten Mitteln eines Kinderfaschings. (APA)

Ein riesengroßer Spaß! (Der Standard)

Die Aufführung nimmt Europa nicht nur als Vorwand, sondern vermittelt Ideen zu diesem vielschichtigen Begriff. (Die Presse)

Insgesamt sind die dicht gewobenen, komplex komponierten Metaphernbilder eine anregende und gescheit Herausforderung für das Publikum und den Regisseur. Franz-Xaver Mayr nimmt sie.. als überzeugter Bündnisgefährte der Autorin entschlossen an und macht europa flieht nach europa zu einem vergnüglich choreografierten, chorisch famosen und theatralisch burlesken Karneval der Kulturen. “ (FAZ)

Eine wirklich ungewöhnliche Inszenierung: Sie ist witzig und gleichzeitig tragisch, dabei hoch musikalisch, und sie wechselt alle paar Minuten die Form. Das Premierenpublikum war begeistert. (Kurier)

Karnevaleske Farce und und politischer Bilderreigen will das Stück sein, und so bringt es Regisseur Franz-Xaver Mayr auch auf die Bühne. (Autorentheatertage Berlin – Tagesspiegel online)

Ironisch, hintersinnig, meist klug und vergnüglich. (Die Furche)

Das Ensemble spielt mitreißend und hat sichtlich Spaß. (Kurier)

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Stückzitate aus europa flieht nach europa wurden Spielzeitmotto der Burg („willkommen beim karneval der wirklichkeit“) und bewarben in wienweiten Plakaten die Spielzeit. 


Badisches Staatstheater Karlsruhe

(DEA Premiere:  7.10.18) Regie: Alia Luque, MIT: Claudia Hübschmann, Antonia Mohr, Sonja Viegener, Heisam Abbas, Thomas Prenn. Bühne: Christoph Rufer, Kostüme: Ellen Hofmann, Dramaturgie: Anna Haas.

   

 

„Die Aufführung ist ein Fest des Sprechens und des spontanen Spielens.“ BNN


Theater Dortmund

EUROPA verschwindet, Eine audiovisuelle Installation nach dem Stück mit diversen Texten. (Premiere 02.10.2021) Einrichtung: Isabella Sedlak.

  


Szenische Lesung Plattform-Festival am Ernst-Deutsch-Theater

Regie: Imke Trommler, 25.02.2023

Das Europa der Generation Z, die welt.de, 

„Hier ereignet sich Traumtheater in seiner lebendigsten Form, gespielt von Jugendlichen in der Konzeption und Regie von Imke Trommler. Engagiert gezeigt wird Miroslava Svolikovas „Europa flieht nach Europa“ von Dutzenden Jugendlichen auf der Bühne, unterstützt von rund 100 weiteren Schülerinnen und Schülern, die sowohl prächtige Kulissen als auch fantastische Kostüme entworfen und gefertigt haben.

Die Rollen, darunter fünf Europas, Zeus, die Moiren, hier „Schwestern der Zeit“ genannt, sind mit Schauspielerinnen und Schauspielern des Jugendclubs Schauspiel am EDT besetzt. Die drei Schwestern, die bereits weit vor Tschechow wirkten und immer noch im Dienst sind, spinnen den Lebensfaden, legen seine Länge fest und schneiden ihn schließlich ab. Als Schicksalsgöttinnen können sie über Forderungen wie „Gerechtigkeit für alle“ nur zynisch lachen.

Europa aus Liebe zur Idee von Europa

Auch die Choreografien und das Musikprogramm steuern Schüler bei, wie zwei antike Chöre, denen der Sprung in die Gegenwart gelungen ist. Wobei sich der Song „I hope, that I don’t fall in love with you” von Tom Waits wie ein Ariadnefaden durch den Abend zieht. Denn erzählt wird letztlich auch eine Liebesgeschichte: die seiner Bewohner zu Europa.

Bei Svolikova kommt Europa dabei komplett auf den Prüfstand. Nach dem Mythos ist der Kontinent dran, als Wille und Vorstellung, als Utopie und Dystopie, als Verbund von Nationen, in denen Millionen Menschen leben, die sich erstaunlicherweise aus vielen Einzelnen zusammensetzen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit geht die Reise persönlicher Schicksale im dramatischen Gedicht durch mehr als 2000 Jahre und viele Orte.

Kontinent zwischen regenbogenbunt und braun

Zwischen Regenbogenfarben und Nazibraun wird die politische Welt ausgelotet. Schauspielerin Charlotte Mesz steht da ganz souverän im Regenbogenkostüm und freut sich an der Vielfarbigkeit, bis plötzlich ein rollendes R in ihre Stimme rutscht, das nachdrücklich darauf hinweist, dass „aus bunt braun wird, wenn man es zusammenquetscht“. Mesz macht das schlicht professionell – sie gehört wie Leni Vogt, Marie-Sophie Reichel und Isa Can zu den großen Talenten auf der Jugendbühne.

Auch alle anderen machen ihre Sache sehr gut. Zu den Talenten der Regisseurin zählt eindeutig ein Gespür für das, was jeder leisten kann. Sie baut aus Dialogen und Massenszenen einen abwechslungsreichen Reigen philosophischer Momente. Ganz leicht verrutschen im Stück die Bedeutungen von Worten, hilft der Satzbau beim Begreifen von Begriffen. Nach den einschlägigen europäischen Blutbädern erscheint jeweils eine „fröhliche Putzkolonne“ und wischt den Weg frei für einen Neuanfang.

Kulissen, Kostüme, Musik und Tanz aus Stadtteilschulen

Kurz vor Schluss hat Europa genug und will abdanken. Aber die jungen Bewohner um sie herum geben sie nicht auf. Sie bestehen darauf, dieses liebenswert dauernd scheiternde Projekt noch einmal neu zu erfinden – für ihre Generation. Zu der zählen die Projektgruppen der Stadtteilschulen Eidelstedt (Performance), HamburgMitte (Bühnenbild) – Altona (Tanz), Horn (Musik), sowie Lohbrügge und die Erich Kästner Schule Farmsen Berne (Kostüm), die sich hier, also mitten in Europa, als erfindungsreich und fantasievoll erwiesen.“


Szenische Lesung Goethe Institut Tokio

Einrichtung: 28-29. Juli 2018

  


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Szenische Lesungen

ERNST DEUTSCH THEATER, PLATTFORM-FESTIVAL (JUGENDTHEATER), R: IMKE TROMMLER, 25. Februar 2023 

AUSTRIAN CULTURAL FORUM NEW YORK, 5. Dez 2019

VEREINIGTEN BÜHNEN BOZEN UND TEATRO STABILE DI BOLZANO, WORDBOX / FABULAMUNDI, BOZEN (IT), Dez 2019

GOETHE INSTITUT TOKIO, 28-29. Juli 2018

DRAMATIKERINNENFESTIVAL GRAZ, 8-9. Juni 2018


Gastspiele

2020, Heidelberger Stückemarkt, 2020/4 europa flieht nach europa, Regie: Alia Luque, Gastspiel als Nominierung für den Nachspielpreis /// pandemiebedingt abgesagt

2018 Théâtre de la Manufacture, Nancy / Festival Neue Stücke (FR) >>> GASTSPIEL THEATERSTÜCK 2018/11/20 Europa flieht nach Europa, Regie: Alia Luque


Interviews, Kritiken, Material

Staatstheater Karlsruhe: Eine Frau in einer schwierigen Situation, Interviewfragen für das Programmheft zu Europa flieht nach Europa, 2018 LINK >>>

Burgtheater Magazin: Playlist Europa, Interview zum Stück, Oktober/November 2018-Ausgabe (S. 16-17) LINK >>>

Theater der Zeit – Geschichte als Karneval (Juni 2018 – Heft Nr. 6)

Bühne – Wider den Zerfall Europas (10/2018) LINK >>>

Augustin, Ausgabe 468 – «Dass sie ihn umbringt, ist Selbstverteidigung» (10/2018) LINK >>>


LESEPROBEN

Besetzung: europa und der stier, chor der schwestern, die schwestern der zeit, das leben, die kleinen könige, der gelehrte, zwei bauern, ein kind, ein conquistador, ein priester, ein pfarrer, chor der putzkolonnen, der regenbogen, der wissenschaftler, chor der wissbegierigen, die kinder

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EUROPA

ich bin mit meinen schwestern im wasser gewesen, wir haben kränze in die luft geworfen und über unsere köpfe gesetzt. wir standen knöcheltief im offenen meer, das sich lange in die weite streckt, bevor es an tiefe gewinnt. von weitem hat eine stierherde sich uns genähert. die erste hat ih

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aber dann kam alles ganz anders.

der stier verfällt meinem blick und ich töte ihn mit einer spitze aus meinem haar. ich zupfe es mir vom kopf und steche es ihm mitten ins herz. sein herz wird hart und das blut versickert im körper.

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europa hackt dem stier den kopf ab und steckt ihn auf einen pfeiler.

der stierkopf schweigt mich an. der tote stier sagt nichts mehr. der tote stier hat nichts mehr zu sagen. nein.

ich erzähle euch noch mehr, ich erzähle euch noch was! hier beginnt ein neues kapitel, hier beginnt das kapitel hoffnung! hier beginnt die hoffnung, hier, woich stehe. sie beginnt hier mit jenen, die aus meinem schoß ins weiche gras kullern, ins satte leben rollen werden, aus meinem schoß mitten ins leben hinein. die kinder der zukunft fallen in diese erde. hier beginnt alles neu, wo ich ein freies land gründen werde, das meinen namen tragen soll. dieser kontinent, die geschichtsbücher sollen ihn nennen nach mir. ich muss hier nichts erobern, und ich muss hier nichts befruchten, nein! die kinder, die sein neues volk bilden werden, wachsen aus den blütenkelchenmeiner liebe! die künftigen kinder dieser erde werden aus dem saum meines kleides fallen, hinein in die blütenkelche des schönen lebens, und sie werden die zukunft dieser erde und die reine hoffnung sein!

ihr kinder, die ihr das neue sein werdet, auf die ich meine hoffnung setze! ihr sollt fröhlich sein, im sommer und winter einen freundlichen kontinent bevölkern!

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europa bewirft die ballgäste mit kuchen. gerechtigkeit für alle!
die ballgäste feuern mit brot zurück. brot fliegt auf die bühne. europa duckt sich.
der gelehrte: vorsicht, vorsicht! die kommen aber schroff daher mit ihrer gerechtigkeit.
europa: huch! duckt sich. ich hab mein bestes kleid an! das brot macht immerhin keine flecken.

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europa hebt das kleid hoch, darunter ist ihr rumpf übersäht mit zitzen. zeigt dem publikum ihre zitzen. putt putt putt!
die milch ist mir ausgegangen, da ist keine milch mehr in diesen brüsten drin, da ist nichts drin, in den brüsten ist nichts mehr drin, in den brüsten ist nur silikon drin! sieht das denn keiner?
puttputtputtputtputt
puttputtputtputt
puttputtputt
puttputt
lässt das kleid wieder fallen.

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DIE KLEINEN KÖNIGE

die kleinen könige

ich habe recht.

wir haben recht.

/wir haben das recht/

wir haben recht, weil wir gewonnen haben.

wir haben recht, seht ihr das nicht.

wir haben das recht, seht ihr uns denn nicht.

ich bin der könig. alle anderen sind gestorben über meinem schwert.

ich bin der könig, alle anderen sind gestorben unter meinem schwert.

ich bin der könig, alle anderen sind gestorben durch mein schwert.

zeigen jeweils ihre kinderschwerter dabei hoch.

wir sind eine kleine runde an kleinen königen.

wir gehen immer im kreis.

wer als letzter noch steht, hat verloren.

du hast verloren.

alle haben verloren, alle haben ihr leben verloren.

die anderen haben alle verloren, die anderen haben alle ihr leben verloren.

gewonnen!

gewonnen!